Die Realitt des U-Boot-Kriegs

Ein Simulationsspiel fesselt den Spieler, weil seine 
Kombinationsfhigkeit und sein Reaktionsvermgen auf die Probe 
gestellt werden. Es geht wie bei fast jedem Spiel darum, sich mit 
anderen zu messen, besser als die anderen zu sein. Dieses 
natrliche Bedrfnis der Menschen wird von den meisten Spielen genutzt.

Auch der Krieg lt sich vordergrndig unter diesem 
Gesichtspunkt sehen: es gibt die "eigene" Mannschaft und den  
"Gegner", den es zu berlisten gilt. Unzhlige Brett- und 
Computerspiele nutzen daher historische und phantastische 
Kriegsszenarien, um den Spieler in ihren Bann zu ziehen.
Der Krieg wird dadurch zu einem abstrakten Geschehen, in dem 
mit berlegten Handlungen Punkte zu machen sind. Der Sieger ist 
fr Momente der Held des Tages. Die Realitt des Krieges wird auf 
diese Weise ausgeblendet.

Gerade die Geschichte des U-Boot-Kriegs whrend des 2. 
Weltkriegs kann zu einer Glorifizierung und Heldenverehrung 
fhren, die leicht von den Vernichtungsfeldzgen der Wehrmacht 
im Osten, den Bomben auf Zivilisten und der Ermordung der 
europischen Juden ablenkt und letztlich davon, da auch die U-
Boot-Besatzungen dem Willen einer Verbrecherclique an der 
Spitze des Deutschen Reiches dienten.

Bereits zu Beginn des Krieges schuf Goebbels Propagandaapparat 
die Heldenfigur des U-Boot-Kommandanten. Bekanntestes Beispiel 
dafr war der Kapitnleutnant Gnther Prien, nachdem er 1939 
mit der U 47 in den englischen Militrhafen Scapa Flow 
eingedrungen war und das Schlachtschiff "Royal Oak" versenkt hatte.

Der angefachte Siegestaumel tuschte rasch darber hinweg, da 
die U-Boot-Waffe nur ein kleiner Teil von Hitlers 
Kriegsmaschinerie war; die Propaganda behauptete, da sich 
diese Erfolge einfach vervielfltigen lieen und benutzte sie in 
unangemessener Weise. Der U-Boot-Krieg, das hatten Goebbels 
und die Seinen schnell heraus, lie sich besser als die Kriege der 
anderen Waffengattungen fr Lgen und Verdrehungen benutzen, 
weil er fr den Auenstehenden nicht nachprfbar war. Und so 
wurden gerade hier bis zum Schlu die absurdesten 
Erfolgsmeldungen hinausposaunt.

Die Illusion, beim U-Boot-Krieg ginge es im Grunde um eine Art 
Kampf "Mann gegen Mann", verliert der rasch, der sich nur ein 
wenig mit den historischen Hintergrnden beschftigt. Unmittelbar 
nach der Kriegserklrung Englands torpedierte U 30 den britischen 
Passagierdampfer "Athenia". 112 Menschen kamen dabei ums 
Leben, vor allem Frauen und Kinder. Deutschland hatte also 
bereits am ersten Kriegstag das Vlkerrecht verletzt. 
Dementsprechend negativ war das Bild der deutschen U-Boot-
Waffe in der ganzen Welt. berhaupt ist das U-Boot vor allem fr 
die Vernichtung wehrloser Opfer gemacht - denn vor allem 
Handelsschiffe galt es zu treffen, und unter dem abstrakten Wort  
"Tonnagekrieg" verbergen sich unzhlige tote Seeleute.
Die U-Boot-Besatzungen wiederum lebten wie Maulwrfe in einem 
Bergwerk. Es gab im U-Boot weder Stau- noch Proviantrume und 
auch keine Schlaf- und Aufenthaltsrume. Nicht selten lebten die 
Besatzungen hundert Tage in ihren engen Rhren, ohne sich 
einmal die Beine vertreten oder Luft schpfen zu knnen. Hygiene 
war unbekannt; allein letzteres konnte auf Dauer psychische 
Schden verursachen - ohne die Einwirkung irgendeines  
"Feindes". Dieser aber war mit den Augen nicht wahrnehmbar, ein 
abstraktes Ziel, das nicht erlebt wurde. Trotzdem wurde man vom 
Krieg zermrbt: so war der U-Boot-Krieg im Kern ein 
Vorgeschmack auf das gegenwrtige Zeitalter mglicher 
Massenvernichtung. Der U-Boot-Krieg gehrte zweifellos zu den 
grausamsten Aspekten des Zweiten Weltkriegs. Der Autor Lothar-
Gnther Buchheim, der selbst auf U-Booten am Krieg 
teilgenommen hat, schreibt ber die Hrte der Kmpfe: "Immer 
fter treiben jetzt berlebende der abgeschossenen Schiffe in 
Rettungsbooten auf den unendlichen Ozeanen. Die U-Boot-
Besatzungen versorgen sie nach Mglichkeit mit Verpflegung, 
Seekarten und Kompa. Aus Seenot retten knnen sie die Opfer 
ihrer Torpedos nicht. Ab September 1942 drfen die U-Boot-
Mnner berhaupt nichts mehr fr die Schiffbrchigen tun (...) Ihr 
eigenes mgliches Ende vor Augen, muten die Mnner die oft 
hilflos in ihren Flen oder halb abgesoffenen Kuttern wartenden 
Seeleute ihren schrecklichen Ende berlassen (...) Zur Angst vor 
dem Verbranntwerden kam die Angst vor dem l. Wenn einem 
Schwimmer im Wasser Schwerl in die Lungen kam, war er schon 
halb tot. Angst auch vor der Klte, die die Glieder absterben lie, 
und (...) Angst vor dem Durst."

Als die mrderische Schlacht auf den Weltmeeren zu Ende war, 
war der grte Teil der Besatzungen umgekommen. Fast 39.000 
deutsche Seeleute sind auf U-Booten ausgefahren, 27.082 sind 
nicht wiedergekehrt.